Lieferando-Provision und Co.: Was Lieferplattformen ein Restaurant wirklich kosten
Fast jeder Gastronom kennt seinen Provisionssatz. Deutlich weniger haben ausgerechnet, was er über ein Jahr ausmacht – und wie er sich zum tatsächlichen Gewinn pro Bestellung verhält. Hier ist die Rechnung, Zeile für Zeile, mit einem Beispiel, in das Sie Ihre eigenen Zahlen einsetzen können.

So funktioniert die Provision
Ein Liefermarktplatz behält bei jeder Bestellung, die über seine App kommt, einen Prozentsatz ein. Wie hoch er ist, hängt davon ab, wer ausliefert:
- Sie liefern mit eigenen Fahrern. Die Plattform vermittelt nur die Bestellung. Für dieses Modell berichten Restaurants in Deutschland bei Marktführer Lieferando meist von rund 13–14 % (trusted.de).
- Die Kuriere der Plattform liefern. Die Plattform bringt die Bestellung und den Fahrer. Hier werden Sätze um 30 % genannt.
Zur Provision können weitere Kosten kommen: Zahlungsabwicklung, Bestell- oder Servicegebühren, bezahlte Platzierung im Ranking, Tablet und Hardware. Eine feste, öffentliche Preisliste gibt es nicht – Lieferando etwa veröffentlicht seine Partnerkonditionen nicht und kann mit jedem Restaurant andere Preise vereinbaren (SumUp). Entscheidend ist deshalb nur die Zahl auf Ihrer Abrechnung.
Nehmen Sie die letzte Monatsabrechnung jeder Plattform und teilen Sie alles, was einbehalten wurde – Provision, Gebühren, Werbung – durch Ihren Bruttoumsatz auf dieser Plattform. Das ist Ihr echter Satz. Er liegt oft ein paar Punkte über der Zahl im Vertrag.
Eine Bestellung, aufgeschlüsselt
Ein Gast bestellt Pizza, Salat und ein Getränk für 25,00 €.
| Sie liefern (14 %) | Plattform liefert (30 %) | |
|---|---|---|
| Bestellwert | 25,00 € | 25,00 € |
| Provision | 3,50 € | 7,50 € |
| Bleibt Ihnen vor Kosten | 21,50 € | 17,50 € |
Jetzt daneben Ihre Kosten: Liegt der Wareneinsatz bei rund 30 % des Verkaufspreises, hat Sie das Essen in dieser Bestellung etwa 7,50 € gekostet. Bei 30 % Provision ist der Anteil der Plattform so hoch wie Ihr gesamter Wareneinsatz. Personal, Miete, Energie, Verpackung und – wenn Sie selbst liefern – der Fahrer müssen trotzdem noch vom Rest bezahlt werden.
Die Margen in der Gastronomie sind dünn; eine Nettomarge im einstelligen Prozentbereich ist normal. Nehmen wir großzügig 8 % an: Das sind 2,00 € Gewinn auf eine Bestellung über 25 €. Schon 14 % Provision (3,50 €) sind mehr als das. Darum erhöhen so viele Gastronomen ihre Preise in den Apps – und darum merken Gäste, dass dieselbe Pizza dort teurer ist als am Tresen.
Was im Jahr zusammenkommt
Einzelne Bestellungen wirken klein. Monatssummen nicht.
| Online-Umsatz pro Monat | 14 % Provision pro Jahr | 30 % Provision pro Jahr |
|---|---|---|
| 3.000 € | 5.040 € | 10.800 € |
| 8.000 € | 13.440 € | 28.800 € |
| 15.000 € | 25.200 € | 54.000 € |
Eine Pizzeria mit 8.000 € App-Umsatz im Monat gibt 13.440 € im Jahr ab, wenn sie selbst liefert – und 28.800 €, wenn die Plattform liefert. Das ist ein neuer Ofen, eine Teilzeitkraft oder der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Jahr.
Was Sie für die Provision bekommen
Es wäre unehrlich zu behaupten, die Provision bringe nichts. Ein Marktplatz liefert Ihnen:
- Reichweite. Sehr viele Menschen haben die App schon installiert und öffnen sie, wenn sie Hunger haben. Wer Sie noch nicht kennt, kann Sie dort finden.
- Bezahlung. Karte, PayPal und weitere Zahlarten, für Sie abgewickelt.
- Kuriere – nur im 30-%-Modell.
Was Sie nicht bekommen, ist der Gast. Auf einem Marktplatz ist der Besteller Kunde der Plattform. Seine Kontaktdaten erhalten Sie in der Regel nicht, Sie können ihn nicht selbst wieder einladen – und am nächsten Freitag zeigt ihm dieselbe App zuerst Ihre Konkurrenz. Die eigentliche Frage lautet also nicht „App oder keine App". Sondern: Soll ein Stammgast, der Ihr Essen längst liebt, Sie bei jeder Bestellung 14 bis 30 % kosten?
Neue Gäste über die Apps, Stammgäste über den eigenen Kanal
Für die meisten inhabergeführten Restaurants funktioniert ein Aufbau in zwei Ebenen:
- Bleiben Sie auf den Marktplätzen, um gefunden zu werden. Neue Gäste entdecken Sie dort. Betrachten Sie die Provision als Werbebudget für Erstbestellungen.
- Geben Sie Stammgästen einen direkten Bestellweg. Ihre eigene Bestellseite – verlinkt in Ihrem Google-Unternehmensprofil, auf Ihrer Website und in Ihrer Instagram-Bio. Ohne Provision.
- Holen Sie Gäste an jedem Kontaktpunkt rüber. Ein Flyer in jeder Liefertüte („Nächstes Mal direkt bestellen – gleiches Essen, besserer Preis"), ein QR-Code auf jedem Tisch, ein Hinweis auf dem Kassenbon.
Schon ein Drittel der Wiederholungsbestellungen im eigenen Kanal macht viel aus. Bei 8.000 € App-Umsatz und 14 % spart die Verlagerung eines Drittels (rund 2.670 € im Monat) etwa 4.480 € im Jahr – bei 30 % sind es 9.600 €.
Provision oder fester Monatspreis: Wo liegt die Grenze?
Bestellsysteme für den eigenen Kanal gibt es in zwei Varianten: mit Prozentsatz pro Bestellung (oft niedriger als bei den Marktplätzen, aber immer noch ein Anteil) oder mit festem Monatspreis.
Beim Festpreis ist der Break-even schnell gerechnet: Monatspreis ÷ Provisionssatz.
- Bei 79 € im Monat sind Sie gegenüber 14 % Provision ab etwa 565 € Online-Umsatz pro Monat im Vorteil.
- Bei 199 € im Monat liegt die Grenze bei etwa 1.420 € pro Monat – grob zwei Bestellungen am Tag.
Oberhalb dieser Linie ist jede weitere Bestellung mit Festpreis günstiger. Und je mehr Sie verkaufen, desto größer wird der Abstand – eine Provision wächst mit Ihrem Erfolg, ein Festpreis nicht.
Diese Fragen sollten Sie vor jedem Vertrag stellen
Egal bei welcher Plattform – lassen Sie sich diese Punkte schriftlich beantworten:
- Wird die Provision auf den Bestellwert mit oder ohne Mehrwertsteuer berechnet, und zählt die Liefergebühr mit?
- Welche Gebühren kommen dazu: Zahlungsabwicklung, Gebühren pro Bestellung, Hardware, Marketingpakete?
- Gibt es eine Mindestlaufzeit oder Kündigungsfrist?
- Bekomme ich die Kontaktdaten der Gäste oder kann ich meine Bestellungen exportieren?
- Darf ich im eigenen Kanal günstigere Preise anbieten als in Ihrer App?
- Was passiert mit meinem Ranking, wenn ich keine bezahlte Platzierung buche?
Wenn die Antworten ausweichend sind, ist das auch eine Antwort.
Wie Eatzino das löst
Wir haben Eatzino gebaut, weil ein Stammgast ein Restaurant nicht ein Viertel der Rechnung kosten sollte. Restaurants zahlen einen festen Monatspreis – 0 % Provision auf jede Bestellung – und bekommen in jedem Paket eine eigene Restaurantseite, einen Bestellbutton für die eigene Website, eine Bestell- und Küchen-App für den Tresen, eine QR-Tischkarte und Tischreservierungen.
Was wir (noch) nicht bieten, sagen wir offen: Gäste bezahlen derzeit bar bei Lieferung oder Abholung (Online-Kartenzahlung ist in Vorbereitung), und geliefert wird von Ihren eigenen Fahrern mit unserer kostenlosen Fahrer-App – oder der Gast holt ab. Eatzino ist neu und ersetzt am ersten Tag nicht die Reichweite einer großen App. Es ist der Kanal, in den Sie Ihre Stammgäste holen. So funktionieren unsere Pakete – oder lesen Sie unseren ehrlichen Vergleich zwischen großen Plattformen und eigenem Bestellsystem.
Fragen und Antworten
Wie viel Provision nimmt Lieferando?
Lieferando veröffentlicht keinen festen Satz, die Konditionen können je Restaurant abweichen. Restaurants berichten meist von rund 13–14 %, wenn sie selbst liefern, und von rund 30 %, wenn Lieferando-Kuriere liefern. Den genauen Satz und mögliche Zusatzgebühren zeigt Ihre eigene Abrechnung.
Darf ich in Liefer-Apps andere Preise verlangen als auf meiner Website?
Viele Restaurants machen das, um die Provision auszugleichen. Prüfen Sie vorher Ihren Plattformvertrag – manche Verträge enthalten Regeln zur Preisgestaltung.
Ist ein fester Monatspreis immer günstiger als Provision?
Nein. Bei sehr wenigen Online-Bestellungen kann eine Provision günstiger sein. Teilen Sie den Monatspreis durch Ihren Provisionssatz: Ab diesem Online-Umsatz pro Monat ist der Festpreis im Vorteil.
Sollte ich die Liefer-Apps ganz verlassen?
Meist nicht. Die Apps bringen zuverlässig neue Gäste. Das Geld liegt darin, Stammgäste in einen direkten Kanal ohne Provision zu holen.

